Neue Dynamikklasse

Kontinuierliche
Steuerbarkeit

M01 begann mit einer fast eindeutigen ballistischen Fortsetzung. M02 startet mit dem Gegenmodell: Während des gesamten betrachteten Horizonts kann ein begrenzter Steuerterm die Bewegungsrichtung verändern. Aus demselben Zustand entsteht deshalb eine kontrollabhängige Bahnfamilie.

2Dkonstantes VHeading-State ψ|u| ≤ umaxnoch keine Atmosphäre
Schematische Bahnfamilie aus demselben Anfangszustand bei kontinuierlich verfügbarer begrenzter Kurssteuerung.

Lernziel

Ein Zustand allein bestimmt die Zukunft nicht mehr.

Für das erste Cruise-Modell wird die Translation bewusst einfach gehalten. Geschwindigkeit bleibt konstant; die Steuergröße verändert nur den Kurswinkel. Damit lässt sich isolieren, was kontinuierliche Steuerautorität mathematisch bedeutet, bevor in K02 aerodynamische und atmosphärische Größen hinzukommen. „Steuerbarkeit“ meint hier zunächst kontinuierlich verfügbare, begrenzte control authority – nicht die Behauptung vollständiger Zustandssteuerbarkeit im strengen linearen Kontrolltheorie-Sinn.

01

Zustand

X = [x, y, ψ]

Position und Heading bilden den minimalen kinematischen Zustand. Das skalare Tempo V ist in K01 ein Modellparameter.

02

Dynamik

ẋ=V cosψ · ẏ=V sinψ · ψ̇=u(t)

Der Steuerterm wirkt direkt auf die Richtungsänderung und bleibt über den ganzen Horizont verfügbar.

03

Begrenzung

|u(t)| ≤ u_max

Kontinuierlich steuerbar bedeutet nicht beliebig steuerbar: Turn-Rate, Zeit und Geschwindigkeit begrenzen die erreichbaren Zustände.

M01 → M02

Von einmaliger Abweichung zu dauerhaftem Input.

M01Ẋ = F(X)→M02Ẋ = F(X,u(t))

In M01K06/K07 war aktive Steuerung begrenzt und episodisch. Hier wird u(t) zu einem regulären Bestandteil der Zustandsentwicklung. Prognose braucht damit neben X(t₀) auch Annahmen über den zukünftigen Steuerverlauf.

Interactive lab

Ein Anfangszustand, viele kontrollabhängige Bahnen

Das Lab integriert ein kinematisches 2D-Modell mit konstantem Tempo. Der reale Steuerverlauf setzt sich aus einem Bias und einer glatten periodischen Komponente zusammen und wird strikt auf ±u_max begrenzt. Die grauen Fächerbahnen sind nur eine Stichprobe konstanter zulässiger Inputs – kein vollständiges Reachable Set.

Continuous-control statesame X₀ · bounded u(t) · constant V
Planar trajectoryx / y in km · auto-scaled
Control historyu(t) in °/s · bound shown explicitly
kontrollabhängige Bahnu(t)=0Stichprobe konstanter InputsEndzustand
Endpoint shift—gegenüber u=0
Final heading—ψ(T) relativ zu ψ₀
Peak |u|—nach Begrenzung
Min. turn radius—V / max|u|
Saturation time—Anteil mit |u_raw| > u_max
Path length—V · T

Interpretation

Steuerbarkeit macht die Zukunft kontrollabhängig.

Bei identischem Anfangszustand führt bereits ein anderer zulässiger Verlauf u(t) zu einem anderen Endzustand. Zustandskenntnis und Steuerungsannahme sind deshalb getrennte Informationsquellen.

Systemische Konsequenz

Prediction, reachability und intent werden entkoppelt.

Prediction

Eine nominale Prognose benötigt einen angenommenen Steuerverlauf. u(t)=0 ist nur eine Hypothese, keine physikalische Notwendigkeit.

Reachability

Der zulässige Input-Bereich begrenzt, welche Zustände innerhalb eines Horizonts überhaupt erreichbar sein können. Das folgt erst aus Dynamik plus Constraints.

Intent

Aus physikalischer Erreichbarkeit folgt noch kein tatsächliches Ziel. Spätere Kapitel trennen daher mögliche Routen, Ziele und Beobachtungsinformation.

State+Dynamics+Control constraints→Reachable futures

Rev3 phase contract

Kontinuierliche Steuerbarkeit bekommt einen Betriebsmodus.

M2 bleibt dasselbe Cruise-Dynamikmodell; ergänzt wird phase ∈ {transit, loiter, terminal}. Loiter ist kein neues Fahrzeugmodell, sondern ein Zustand, in dem dieselbe bounded-control-Dynamik räumlich wiederholt wird.

Transit

phase=transit

Directed spatial expansion; terminal time can be path-estimated.

Loiter

phase=loiter

Spatial self-overlap with continuing time/energy evolution.

Terminal

phase=terminal

Target constraint becomes active after an explicit state transition.