Sichtlinie über Relief

Terrain-
abschattung

K03 setzte die Sichtgrenze über einer glatten gekrümmten Erde. K04 ergänzt den fehlenden lokalen Term: Relief kann eine geometrisch grundsätzlich mögliche Sichtlinie zusätzlich blockieren. Entscheidend ist nicht nur der höchste Geländepunkt, sondern die kleinste vertikale Freiheit zwischen Sichtlinie und effektivem Profil entlang des gesamten Pfads.

2D-Geländeschnittidealisiertes ReliefR_eff = k·R_Edirekte LOSkeine Beugung
Schematischer Geländeschnitt mit Sensor, Objekt, direkter Sichtlinie und einem dazwischenliegenden Höhenzug, der die Sichtlinie schneiden kann.

Lernziel

Terrain ist eine lokale Nebenbedingung auf der gesamten Sichtlinie.

Ein reiner Horizonttest kennt nur Endpunkthöhen und Erdkrümmung. Sobald Relief hinzukommt, muss die Sichtlinie entlang des Pfads gegen ein ortsabhängiges Hindernisprofil geprüft werden. Der kritische Punkt ist dort, wo die verbleibende Freiheit minimal wird.

01

Sichtlinie

z_LOS(x) = hₛ + (hₜ − hₛ)x/D

Im lokalen Pfadmodell verbindet eine Gerade die beiden Endpunkthöhen über der gemeinsamen Referenz.

02

Effektives Profil

z_eff(x) = z_terrain(x) + x(D−x)/(2R_eff)

Terrain und effektive Erdkrümmung addieren sich zur Hindernishöhe. Der Krümmungsterm ist die übliche Kleinwinkel-Näherung für Pfadprofile.

03

Freiheit

c_min = minₓ[z_LOS(x) − z_eff(x)]

Positive minimale Freiheit bedeutet direkte geometrische LOS; bei negativem Wert schneidet das effektive Profil die Sichtlinie.

K03 → K04

Vom globalen Horizont zur lokalen Abschattung.

K03hₛ, hₜ, R_eff, DK04+ z_terrain(x)

K03 beantwortete, ob eine freie Kugelgeometrie Sicht zulässt. K04 prüft zusätzlich jeden Punkt eines idealisierten Geländeschnitts. Damit wird aus einer Endpunktbedingung eine Pfadbedingung.

Interactive lab

Die kleinste Clearance entscheidet

Der obere Plot zeigt Sichtlinie, Relief und Krümmung in einem gemeinsamen Pfadprofil. Darunter wird die daraus resultierende Clearance direkt dargestellt. Die Reliefform bleibt bewusst fest; der Regler skaliert nur ihre Höhe, damit die Wirkung von Terrain, Distanz, Endpunkthöhen und k getrennt beobachtbar bleibt.

Terrain line-of-sightidealized profile + effective-Earth curvature
Path profileLOS gegen Terrain + Erdkrümmung
LOSTerrainTerrain + Krümmungmin. Clearance
Clearance along pathpositive Werte = freie direkte Sicht
Terrain peakskalierter Reliefscheitel
Curvature bulgebei D/2 und gewähltem k
Minimum clearanceLOS − effektives Profil
Critical positionab Sensor
Terrain-only clearanceohne Erdkrümmung
Visibility statedirekte Geometrie

Interpretation

Terrain macht Sichtbarkeit zu einer Pfadbedingung.

Der kritische Geländepunkt ist dort, wo der Abstand zwischen LOS und effektivem Profil am kleinsten ist.

Systemische Konsequenz

Horizont und Terrain wirken seriell.

Global + lokal

Erdkrümmung begrenzt die Sicht global; Relief fügt lokale Hindernisse hinzu. Direkte LOS existiert nur, wenn beide Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind.

Kritischer Punkt

Der höchste Berg ist nicht automatisch der kritischste Punkt. Relevant ist die Differenz aus lokaler LOS-Höhe und effektivem Profil.

Nächste Schicht

K05 kann darauf aufbauen und Sichtbarkeit über die Zeit betrachten: Track Loss entsteht dann als Zustandswechsel eines Beobachtungsfensters, nicht als bloßer Reichweitenwert.

Endpunkthöhen+Erdkrümmung+TerrainprofilLOS-Clearance entlang des Pfads