Sichtgeometrie über einer gekrümmten Erde

Radar-
horizont

K02 beschrieb, welche atmosphärische Fluglage physikalisch tragfähig ist. K03 trennt davon eine zweite Frage: Kann zwischen zwei erhöhten Punkten überhaupt eine direkte Sichtlinie existieren? Erdkrümmung setzt dafür eine harte geometrische Grenze; atmosphärische Refraktion wird nur als Effective-Earth-Näherung ergänzt.

Kugelerdefreie Sichtliniekeine TerrainabschattungR_eff = k·R_Ekeine Radarleistung
Schematischer Radarhorizont zwischen erhöhtem Sensor und Objekt über einer gekrümmten effektiven Erdoberfläche.

Lernziel

Beobachtbarkeit beginnt mit Geometrie, nicht mit Sensorleistung.

Für eine direkte Sichtlinie müssen Sensor und Objekt jeweils über ihren lokalen Horizont „hinaussehen“. Bei einer Kugelerde ergibt sich die Grenzdistanz aus den beiden Tangentialwinkeln. Das Modell isoliert genau diese Sichtbedingung; Terrain, Antennendiagramm, Leistung, Frequenz und Signatur bleiben außen vor.

01

Einzelhorizont

θ = acos(R/(R+h))

Die Tangente vom erhöhten Punkt an die Kugel bestimmt den zentralen Winkel bis zum Horizont.

02

Zweiseitige Sichtlinie

d_max = R(θₛ + θₜ)

Sensor- und Objekthorizont addieren sich zur maximalen oberflächenbezogenen LOS-Distanz.

03

Refraktionsnäherung

R_eff = k · R_E

Ein Effective-Earth-Faktor ersetzt den real gekrümmten Strahlenweg durch eine äquivalente Geometrie. k ist eine Modellannahme, keine Konstante.

K02 → K03

Flugzustand und Sichtbarkeit sind verschiedene Zustandsdimensionen.

K02h, V, ρ, L, DK03hₛ, hₜ, R_eff, d

Ein aerodynamisch möglicher Zustand kann geometrisch unter dem Horizont liegen. Umgekehrt bedeutet geometrische Sicht noch keine Detektion. Diese Trennung wird für spätere Track-Loss- und Informationsmodelle benötigt.

Interactive lab

Höhe verschiebt die geometrische Sichtgrenze

Das Lab verwendet die exakte Kugelgeometrie für Oberflächendistanzen. Die Hauptkurve zeigt die maximale LOS-Distanz über der Objekthöhe; die gestrichelte Referenz ist die rein geometrische Erde k=1. Der Distanzbalken prüft eine gewählte Trennung gegen dieselbe Modellgrenze.

Line-of-sight geometrysphere + optional effective-Earth factor
Maximum LOS distance vs target heightSensorhöhe konstant · 0–5 km Objekthöhe
gewähltes kgeometrisch k=1gewählte Objekthöhe
Selected separationgewählte Oberflächendistanz gegen LOS-Grenze
separationLOS envelopesurface distance [km]
Sensor horizonbei gewähltem k
Object horizonbei gewähltem k
Max. LOSSumme beider Horizonte
Geometric LOSk = 1
k-effectgegen k = 1
Range margind_max − d
Visibility statenur direkte Geometrie

Interpretation

Erdkrümmung setzt eine geometrische Sichtgrenze.

Die maximale Sichtdistanz hängt von beiden Höhen ab. Der k-Faktor verändert die effektive Krümmung nur als vereinfachtes Refraktionsmodell.

Systemische Konsequenz

„Nicht sichtbar“ kann reine Geometrie sein.

Höhenkopplung

Die Sichtgrenze hängt von beiden Endpunkten ab. Eine Änderung nur einer Höhe verschiebt daher das gemeinsame Beobachtungsfenster.

Refraktion

Atmosphärische Brechung verändert die effektive Krümmung. Ein fixer k-Faktor ist nützlich für Sensitivität, ersetzt aber kein Refraktivitätsprofil.

Nächste Schicht

K04 fügt Terrain hinzu. Dann reicht eine freie Kugel-Sichtlinie nicht mehr: lokale Reliefpunkte können die Sicht zusätzlich blockieren.

Höhen+Erdkrümmung+Refraktionsannahmegeometrisches Sichtfenster